Kurzinterview mit Hendrik / Absurd zum neuen Album “Schwarze Bande” und was er noch zu sagen hat

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Frontmagazin:
Hendrik, so (schnell) kann es kommen. Da sitzt das große Interview aus der ersten Druckausgabe noch in Mark und Bein, und schon geht es weiter. Damit hätte ich jetzt auch nicht gerechnet aber gut, so soll es sein und wir starten die zweite Runde.
Kurz vor Redaktionsschluss trudelte die Benachrichtigungen zum neuen Studioalbum „Schwarze Bande“ und der Split-EP „Welcome to the Anarchy“ bei uns ein. Wie viele Hörer da draußen, waren auch wir ziemlich überrascht. Kehrt die Horde mit diesem Material zur alten martialischen Tonkunst zurück?

Hendrik / Absurd:
Heil Dir! Das ist korrekt, mit der “Schwarzen Bande” gibt es Absurd wieder so zu hören, wie man die Band kennt und schätzt. Die Veröffentlichung war seit 2021 in Arbeit, allerdings haben wir uns bewusst gegen diese “15 Sekunden-Teaser” hier und “Cover Preview” da-Werbemasche entschieden, wie sie heutzutage in sozialen Netzwerken zu erleben ist. Wir wollten das Album fertigstellen und als Gesamtkunstwerk veröffentlichen, und zwar am besten so, dass es von niemanden erwartet wird und die Überraschung deshalb umso größer ausfällt. Immerhin haben die Fans der Band seit “Blutgericht” auf ein neues Vollalbum von Absurd warten müssen, da wäre es auch nicht angemessen gewesen, sie mit immer neuen Ankündigungen hinzuhalten und zu vertrösten.

Frontmagazin:
An dem neuen Album wurde im Verborgenen gearbeitet und kaum einer oder besser gesagt, fast niemand wusste von der nahenden Schandtat. Nun liegt “Schwarze Bande” aber der Öffentlichkeit vor, erzähl doch mal, wie verliefen die Arbeiten an dem neuen Werk? Wer steht und marschiert jetzt unter dem Banner Absurd und um was geht es auf dem neuen Album?

Hendrik / Absurd:
Also so ganz richtig ist das nicht; die Arbeiten fanden nicht im Verborgenen statt, weil das Umfeld der Band natürlich eingeweiht war und den Werdegang auch mit Rat und Tat begleitet hat, aber wir haben das Album eben nicht vorab an die Öffentlichkeit kommuniziert. Die Arbeiten daran waren so wie, man es von jeder funktionierenden Band kennt; man setzte sich mit musikalischen und lyrischen Ideen auseinander und arbeitete schrittweise an neuen Liedern, die zwischendurch immer wieder geprobt und verbessert wurden. Danach begannen die Aufnahmen, und es wurde am Design der Veröffentlichung gearbeitet. Als dann endlich alles fertig war, gingen die Tonträger in Produktion und jetzt sind sie endlich erhältlich. Für den Moment ist es völlig ausreichend, zu wissen, dass ich an Absurd mitwirke. Die anderen Musiker sind aus diversen anderen Bands und Projekten bekannt, aber wir haben uns vorerst dafür entschieden, dass wir nicht darüber sprechen werden. Absurd ist mehr als die Summe der einzelnen Mitglieder und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des neuen Albums sollen die Fans und Hörer sich ganz auf Absurd konzentrieren. Das neue Album ist durchwirkt von dem Leitbild des “heroischen Realismus” nach Werner Best, nämlich die “Bejahung des Kampfes auf verlorenem Posten für eine verlorene Sache”. Aber natürlich findet man auf dem Album auch ganz klassische Absurd-Texte, wie man sie schon aus der Frühzeit der Band kennt.

Frontmagazin:
Und die Split-EP mit Abyssic Hate, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und verbirgt sich hinter “Welcome to the Anarchy”, so der Titel der EP, ein Konzept? Von der Aufmachung her springt die EP ja schon ziemlich aus der Reihe und passt so gar nicht ins Erscheinungsbild von Absurd, oder?

Hendrik / Absurd:
Shane ist ein ganz alter und guter Freund und Unterstützer der Band, und wir haben schon sehr lange über die Idee einer gemeinsamen Veröffentlichung gesprochen. Shane ist ein großer Fan von Pink Floyd, deshalb wollte er unbedingt ein Coverlied dieser Band aufnehmen. Dazu passend haben wir ein Sex Pistols-Cover aufgenommen, weil Pink Floyd und Sex Pistols sozusagen die musikalischen Polaritäten der 1970er abbilden. Trotzdem waren beide Bands, die ja aus dem Vereinigten Königreich stammen, in ihrer sozialkritischen Haltung durchaus auf einer Wellenlänge. Vor diesem Hintergrund ist die Absurd / Abyssic Hate-Split entstanden; sie ist allerdings nicht repräsentativ für beide Bands sondern war eine Möglichkeit, um sich experimentell zu verwirklichen. Auch in Zukunft werden wir Split-Veröffentlichungen immer wieder mal für solche Experimente nutzen, die Band wird sich auf ihren Alben aber immer treu bleiben.

Frontmagazin:
Was mir ziemlich schnell aufgefallen war, ist deine Stimmenlagen, dein Gekeife auf der neuen Scheibe. Manch einer mag es vielleicht anders sehen, aber ich vermag eine gewisse Vertrautheit herauszuhören. Es erinnert mich tatsächlich an frühere Werke von Absurd. War das gewollt, hast du an deiner Stimme gearbeitet?

Hendrik / Absurd:
Natürlich habe ich in vielen Proben am Gesang gearbeitet. Das ist ganz natürlich und erwartbar, wenn man nicht von Anfang an ein Naturtalent ist; und wenn man sich zum Beispiel Wolf bei Wolfsburg, oder sogar noch auf “Werwolfsthron”, und dann bei Der Tod und die Landsknechte anhört, dann erkennt man ja auch eine Weiterentwicklung. Mir ist es schon wichtig, dass die Stimme zu Absurd passt und ich trotzdem in der Lage bin, in dieser Weise auch live zu singen. Man kann im Studio ja sehr viel an der Stimme verändern, nur ist das auf der Bühne dann nicht mehr umsetzbar.

Frontmagazin:
In den letzten Tagen erhielten wir immer mal wieder E-Mails mit Fragen die sich um Absurd drehen? Beispielsweise wurde gefragt, wie man denn ein neues Absurd Album machen kann, wenn das doch gar nicht die richtigen Absurd sind? Oder, warum wird unter dem Bandnamen Musik gemacht, dürfen die das? Ein paar Worte deinerseits dazu…

Hendrik / Absurd:
Bei dieser Gelegenheit sollte man einfach mal klipp und klar sagen, dass es in Absurd nur noch ein einziges Gründungsmitglied gibt, welches bereits in der Anfangszeit der Band musikalisch aktiv war und mit der Bandgeschichte untrennbar verbunden ist. Und das bin ich. Wer mir die Legitimation, mit meiner Band auch jetzt und in Zukunft Musik zu veröffentlichen und live aufzutreten, absprechen will, der negiert die gesamte Anfangszeit der Band zwischen 1992 und 1999 und verkennt, dass es Absurd als die Band, über die wir hier sprechen, ohne diese Anfänge gar nicht geben würde.

Frontmagazin:
Es erscheint für viele sicherlich auch etwas irretierend, Absurd aus zwei unterschiedlichen Lagern mit jeweils neuen Produktionen. Wie soll man das den Leuten die nicht in der Materie involviert sind, begreiflich machen? Wer ist jetzt Absurd?

Hendrik / Absurd:
Das erscheint nur irritierend, wenn man sich nicht auf der offiziellen Netzpräsenz von Absurd informiert hat. Dort wurde die Situation hinreichend erklärt: Es gibt nur eine Band Absurd. In dieser Band haben immer wieder unterschiedliche Musiker mitgewirkt; zwischen 1992 und 1999 waren das die Gründungsmitglieder DMD und JFN, welche auch damals schon durch andere Musiker unterstützt wurden. Wolf hat die Band zwar seit ihrer Gründung tatkräftig unterstützt und begleitet, aber eben nicht als aktiver Musiker. Auf keiner Aufnahme, aus dieser Ära, hat er mitgewirkt. Das änderte sich erst nach 1999. Ich habe Absurd nicht verlassen, sondern, ich konnte aus tatsächlichen Gründen nicht mehr dabei sein und habe DMD darum gebeten, er möge die Band trotzdem weiterführen. DMD hat sich dagegen entschieden, und er hat Absurd den Rücken gekehrt und mit der Band abgeschlossen. Wolf hatte allerdings noch einen Schnellhefter mit Liedern, die DMD für Absurd geschrieben aber nicht (mehr) aufgenommen hat, und als er mit Unhold jemanden gefunden hat, der diese Lieder vertonen kann, wurde der Entschluss gefasst, mit Absurd weiterzumachen und diese unveröffentlichten Lieder aufzunehmen. Ich stand dieser Idee positiv gegenüber, weil es mir wie gesagt wichtig war, dass es die Band auch in Zukunft geben wird. Aus dieser Idee entstand “Werwolfthron”, ein Album auf dem es fast ausschließlich Lieder von DMD zu hören gibt. Auch auf “Totenlieder” findet man noch Lieder, die von DMD stammen, und erst mit “B**********” trat Unhold als alleiniger Komponist für Absurd in Erscheinung. Nach den Aufnahmen zu “D** f************** K****” und “W**********” spielte man in der Besetzung Wolf & Unhold zwar noch einige Konzerte, aber spätestens ab 2012 herrschte bei ihnen Funkstille und das neue Album, auf das die Fans gewartet haben, wurde nie aufgenommen. Im Jahr 2017 habe ich mich wieder aktiv in die Band eingebracht, nachdem ich in der Zwischenzeit vor allem Texte und Konzeptideen beigesteuert habe. Wolf hat mir die Verwertungsrechte an den Aufnahmen, an denen er beteiligt war, verkauft und damit klargestellt, dass er Absurd als geschlossenes Kapitel betrachtet. Unhold allerdings verfügte immer noch über unveröffentlichte Lieder von DMD, unter anderem die Lieder zur niemals umgesetzten Split mit Heldentum, “Kyffhäuserreich”, und als er und Gelal im April 2019 im Studio waren, um an dem neuen GBK-Album zu arbeiten, wurden auch fünf dieser besagten Lieder für Absurd aufgenommen. Wolf durfte später für drei dieser Lieder den Gesang beisteuern, danach wurden sie in verschiedenen Formaten und Auflagen mehrfach veröffentlicht. Weitere Aufnahmen wurden in dieser Konstellation zwar angekündigt, sind jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht erfolgt. In der Zwischenzeit haben meine Mitstreiter und ich an “Schwarze Bande” gearbeitet und damit endlich das lange erwartete neue Vollalbum mit komplett neuen Liedern von Absurd veröffentlicht. Damit sollte sich die Frage, wer denn jetzt Absurd sei, doch erübrigt haben? Wolf macht mit Der Tod und die Landsknechte weiter, und Unhold ist mit GBK gut beschäftigt. Es gibt nur eine Band Absurd, und die hat so eben das neue Album veröffentlicht.

Frontmagazin:
Inzwischen dürften Album und Split durch die Boxen der Hörerschaft erschallen, gab es schon irgendwelche Resonanzen? Sowohl positiv als auch negativ?

Hendrik / Absurd:
Bisher sind mir nur positive Reaktionen zu “Schwarze Bande” bekannt. Die Mehrzahl der Fans wird das Album allerdings im Laufe der nächsten Tage hören können. Für den 11. Mai ist eine Videopremiere bei YouTube geplant, der dafür vorgesehene Live-Stream wurde aber von den “üblichen Verdächtigen” wegen “Hassrede” gemeldet und deshalb von YouTube gelöscht. Es wird aber trotzdem pünktlich am 11. Mai um 19:00 Uhr eine Premiere des Albums bei YouTube geben, nur eben auf einem anderen Kanal als ursprünglich geplant.

Frontmagazin:
Hendrik, ich danke dir für dieses Kurzinterview. Noch irgendwelche letzten Worte deinerseits zum Ende?

Hendrik / Absurd:
Vielen Dank für das Interesse an Absurd und den Zuspruch zum neuen Album! Die nächsten Veröffentlichungen sind bereits geplant, unter anderem eine Split-EP mit Evil und eine weitere Split-EP mit Vothana. Auch zukünftige Konzerte sind in Aussicht. Die Tyrannen des Deutschen Black Metal sind jetzt seit 30 Jahren aktiv und wenn uns nicht der Dritte Weltkrieg dazwischen kommt, dann werden wir auch noch in 58 Jahren unser Unwesen treiben. 😉


Absurd – Schwarze Bande

Author: Frontmagazin

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1 thought on “Kurzinterview mit Hendrik / Absurd zum neuen Album “Schwarze Bande” und was er noch zu sagen hat

  1. Ich finde diese Entwicklung erfreulich. Dieses neue Werk erinnert wirklich an die alten Tage, vor der Werwolfthron. Wer die Landsknechtstimmung der 2010 Ära mag, ist ja weiterhin mit der Band “der Teufel und die Landsknechte” gut bedient, wo Wolf sich mal wieder episch verausgabt. DMD aka Wolfsmond sind derweil an ihrem vierten Album dran, wie zu hören war, wer auf ultrafiesen Black Metal der alten Tage steht, dürfte gespannt sein. Noch vor kurzem, hätte ich nicht gedacht das aus dem Absurd Umfeld nochmal was neues kommt, hielt die Grabgesang für das endgültige Lebewohl nach jahrelanger Stille. Habt Dank Hendrik und weiter so!

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