Rattenlinie – S/t

Rattenlinie – S/t
Oldschool Records | CD

Über Länder, Grenzen, Zonen… Das sang schon Frank Rennicke, vielleicht etwas anders gemeint als im Falle dieser Konstellation aber gut, auf eine gewisse Weise passt es dennoch. Die umtriebige Skinband Smart Violence hatte es vor einiger Zeit ins ferne Chile verschlagen, wo man u.a. mit der befreundeten Band Orgullo Sur ein gemeinsames Konzert gegeben hatten. Doch damit nicht genug, die beiden Bands haben die Zeit genutzt um gemeinsam zu musizieren. Ja und die Aussage von Oldschool Records, die: „bewusst sinnfreie Etiketten des reaktionären Yankee-Nationalismus der 90er“ zu überwinden, trifft es vortrefflich und ist auf ganzer Linie gelungen. Über alle Klischees und Vorurteile hinweg, haben die Mitglieder somit ihre gemeinsame Formation Rattenlinie ins Leben gerufen…

Kurz ein paar Worte zur Begrifflichkeit Rattenlinie; die sogenannte Rattenlinie diente nach Kriegsende 1945, führenden und hochrangigen Funktionäre des NS-Regimes zur Flucht aus Europa, über Spanien und/oder Italien, nach Argentinien. Diese Fluchtroute war auch unter den Namen Klosterroute bekannt, da die katholische Kirche eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hatte.

Soviel zum kurzen Geschichtsunterricht. Der Bandname symbolisiert also die transatlantische Freundschaft zwischen den Musikern, zumindest darf man davon ausgehen. Diese Freundschaft hatte dann auch zur Folge, das wird nun eine ziemlich starke und unterhaltsame Oi!/RAC Scheibe serviert bekommen haben. Sowohl die musikalische Umtriebigkeit von Smart Violence als auch von Orgullo Sur lassen erahnen, in welche Richtung die Reise gehend wird. Entstanden ist ein zehn Lieder starkes Album mit einer klaren antikommunistischen und sozialrevolutionären Haltung. Entsprechend der politischen Ausrichtung sind selbstverständlich auch die Texte verfasst, etwas anderes hätte man bei den beteiligten Musikern auch nicht wirklich erwartet, oder? Neben klassischen Oi! Nummern, bekommen wir einige starke, RAC lastige Titel geboten. Dabei wurden sowohl aktuelle Themen als auch historische Ereignisse vertont. Neben der Liebe zur Subkultur, der Hingebung zum Kult, wir der kämpferische Charakter nicht vernachlässigt und so wird beispielsweise der alte deutsche Geist in dem Lied „Preußen ist nicht tod“ besungen. Wo wir gerade beim Singen sind, die Lieder werden sowohl in deutscher, spanischer als auch englischer Sprache vorgetragen. Neben acht eigenen Stücken gibt es auch noch zwei Coverversionen, zum einen einen Titel der deutschen Skinkapelle Endstufe nach und zum anderen covert man die grandiose Italoband Malnatt.

Rattenlinie symbolisiert wunderbar, wie Musiker mit kulturellen Unterschieden doch gemeinsame agieren können und geistige Barrieren überwinden. Kulturelle, traditionelle Unterschiede hindern nicht daran, den gemeinsamen Weg des Widerstandes zu gehen. So bekommen wir letztlich dann eben auch mit Rattenlinie ein internationales Gemeinschaftswerk, welches mit der Zeit geht und alte Denkmuster aufbricht. Dem ganzen Werk stand Oldschool Records als ausführende Produktionsschmiede zur Seite, damit dürfte auch klar sein, das es sich hierbei nicht um ein e billige und lieblose Produktion der Marke Einheitsbrei handelt. In gewohnter eigener Manier, wurde der Rattenlinie eine schicke Aufmachung verpasst, selbstverständlich findet ihr im Beiheft alle Texte. Der Klang ist sauber und druckvoll, daran hatte ich allerdings eh keinen Zweifel. Die Musiker verstehen ihr Handwerk. Rattenlinie dürfte zweifelsfrei zu den Überraschungswerken in diesem Jahr zählen, sauberer Oi!/RAC Mix im Zeichen des internationalen Bruderschaft, der dritte Weg funktioniert. Das Teil mach einfach Spaß zu hören und ist aus politischer Sicht, eine wichtige und richtige Botschaft. Top!!!

Titelliste:
01. The Rats of Tomorrow
02. El vaso *
03. Öffne deine Augen
04. Oi! Oi! Music
05. Marchando
06. Preußen ist nicht tod
07. The Skinheads come back
08. Nación en Llamas
09. Together **
10. New Age

* im Original von Malnatt
** im Original von Endstufe

Hörprobe – Rattenlinie – Together **:

 

Author: Frontmagazin

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