Komakolonne – Vom Jungen zum Mann

[Gesamt: 12   Durchschnitt:  1.8/5]

Komakolonne – Vom Jungen zum Mann
Sturm 18 Versand | CD

Nach gut sieben Jahren der musikalischen Schaffenspause mit seiner Komakolonne, meldet sich Jens B. nun mit einer neuen Scheibe zurück. Doch etwas ist nicht so, wie es einmal war

Es gibt solche und solche Projekte vom Jens B., dem Frontmann der Band Sturmwehr. Der talentierte und umtriebige Musiker hat in all den Jahren, in denen er nun schon musikalisch aktiv in der nationalen Musikszene ist, so manches musikalisches Leckerchen abgeliefert. Man erinnere sich nur mal an seine erste Soloscheibe Einigkeit und Recht und Freiheit. Oder wie in diesem Fall, die ersten beiden Komakolonne Alben. Einfach Klasse, stimmungsvoller Rock, verspielt, abwechslungsreich und mit jeder Menge Inovation ausgestattet. So hatte uns Jens bei den beiden letztgenannten Scheiben die passende Tanzmusik für eine unterhaltsame Sause mit Liedern wie beispielsweise El Zecho & Don Promillo oder Versoffen, ehrlich & frei abgeliefert. Davon ist im hier und jetzt leider nicht mehr viel zu vernehmen.

Mit Vom Jungen zum Mann versuchen sich Jens und seine Mitmusiker am Schlager, auch lässt man hier erneut die Politik gänzlich aus dem Spiel und konzentriert sich auf die zwei wichtigsten Dinge im Leben von so mancher Person; Sex und Suff. So, wie hoch der Stellenwert nun zu sein hat oder auch nicht, soll nicht Teil dieser Rezension sein, das entscheidet jeder für sich selbst. Erst einmal geht es hier u.a. um die Musik. Hier bekommen wir Schlager ähnliche Klänge geboten, ich würde es eher als Softrock bezeichnen. Spielerisch braucht das Werk sich nicht verstecken, aus technischer Sicht haben die Ruhrpottler saubere Arbeit abgeliefert. Nur ist diese Scheibe leider alles andere als mitnehmend, das Teil kommt einfach nicht in Fahrt. Kein Lied hat mich in irgendeiner Phase zum rhythmischen Mitmachen animiert. Nicht falsch verstehen, technisch kann sich das Teil positiv präsentieren. Nur springt der Funke nicht über, wo ich damals mit Freude die Projekte vom Jens gehört hatte und dies heute immer noch tue, ist hier nur ein trübes und gelangweiltes Aha nach dem letzten Lied geblieben. Textlich ist die Sache auch nicht viel besser. Gut, immerhin besser als Johnny Zahngold vielleicht, das schoss mir im ersten Moment in den Kopf als ich an Party- und Schlagerhits vom rechten Rand dachte. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Sicherlich sind die Texte gut strukturiert, dennoch befindet man sich deutlich unter der Reife, welche man eigentlich aus der Federführung von der Band gewohnt ist. Bei Liedern wie Selbstbefriedigung oder Chantall trifft es das beispielsweise. Die Lieder mögen unterhaltsam gemeint sein, laufen aber auch Gefahr ins Lächerliche abzurutschen. Erstgenanntes Lied hat irgendwas von akustischem Exhibitionismus und letzteres Lied klingt irgendwie wie eine Eigeninterpretation von MozartMargarethe, was ebenfalls kein Garant für anständige Musik ist.

Die Produktion vom Sturm 18 Versand kann sich durch eine saubere und klare Klangkulisse hören und durch eine gute Aufmachung sehen lassen. Der Stil, der seinen Ursprung scheinbar irgendwo zwischen Woodstock-Festival, Hippie-Ära und den wilden 70´er hat, passt zum Werk. Im Beiheft sind natürlich alle textlichen Ergüsse abgedruckt. Vom Jungen zum Mann mag vielleicht gut gemeint gewesen sein, am Ende bleibt aber nur ein weinendes Auge übrig und mit Wehmut denke ich an die erste Komakolonne Produktion von Ohrwurm Records zurück. Vielleicht hätte man so manches Projekt einfach ruhen lassen sollen. Wer dem Werk etwas abgewinnen kann, dem gratuliere ich dazu, es sei dem Konsumenten und der Band gegönnt. Eine Scheibe für eingefleischte Sturmwehr-Groupies und Alles-Sammler, ansonsten leider ziemlich schwach bis uninteressant!

Titelliste:
01. Chantall
02. Ein Stueck zum Glueck
03. Das Beste fuer Dich
04. Lampen an
05. Alles andere als ein Ponyhof
06. Selbstbefriedigung
07. Ball der einsamen Herzen
08. Vom Jungen zum Mann
09. Irgendwie Dunkel
10. Wir leben den R´n´R
11. Nicht fair

Hörprobe – Komakolonne – Irgendwie Dunkel:

 

 

Author: Frontmagazin

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1 thought on “Komakolonne – Vom Jungen zum Mann

  1. Naja..so der Hit ist die Scheibe wirklich nicht. Die ersten 3 Alben waren noch die besten.
    Hoffentlich findet das nächste Album wieder zurück zu den Wurzeln 😉
    „Wir sind die KOOOMAAHAKOLONNE! -Bier und Schnaps sind die reinste Wonne!!!“

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