Hirnsturz – Salut + Kurzinterview

Hirnsturz – Salut
Oldschool Records | CD

Einmal in die wilden, radikalen und unvergesslichen Jahre zurück…

Sind wir doch mal ehrlich, wer wünscht sich nicht noch einmal die alten Tage zu erleben? Noch einmal Vierzehn zu sein und unbeschwert das zu erleben, womit es bei den Meisten angefangen hatte. Jung, stolz und frei, ungezügt und unbelehrbar. Einfach den alten Kult noch einmal leben. Sicher, wir sind alle erwachsen geworden, haben dazugelernt und begriffen wie Welt und die Politik tickt. Aber machmal, ja manchmal überkommt es einen und man möchte den ganzen Balast ablegen und noch ein der Rebell sein, der damals auf Gesetze und Autorität geschissen hatte, ha, ha.

Unter den Namen Hirnsturz gehen einige bekannte Musiker ans Werk und liefert uns die Hymnen alter Tage, natürlich im neuen Gewand. Aber keine Sorge, die Atmosphäre und Klasse geht nicht verloren. Als ich die ersten Töne vernommen hatte, da war es bereits um mich geschehen. Nein, die erste eigene Nummer ist zwack geil gespielt und unterhaltsam, aber so richtig unterhaltsam wurde es erst nach wenigen Sekunden als „Unsere Kneipe“ erklang. Alles klar, mit den Erinnerungen habe ich mich auf den Weg in meine Jugendzeit gemacht. Angekommen aber, ja angekommen bin ich erst als im Anschluss „Alte Garde“ erklang. Ich war wieder vierzehn Jahre jung, saß mit den Jungs in „unserem“ Park und neben mir… keine Ahnung wie sie noch hieß. So, zurück zum Album. Dieses hört übigens auf den Titel „Salut“, dass mal so nebenbei erwähnt. Neben der zweiten einen Nummer „Salut“, gibt man sich mit weiteren Kultklassikern die Ehre. Dabei greift man beispielsweise auf grandiose Stücke wie „KfD“ von Störkraft oder „Working Class“ von Endstufe, zurück. Den Abschluss macht Madley „Rausschmeisser“, dort werden weitere Klassiker angespielt.

Musikalisch ist das Material natürlich mit gegenwärtigen (technischen) Mitteln wesentlich kraftvoller interpretiert und entsprechend vorgetragen. Dabei büßt das Material aber nicht an seinem Charm ein, die Atmosphäre wird wunderbar rübergebracht. Schön melodisch, einwandfrei abgemischt und deutlich, so erklingen die zehn Lieder aus den heimischen Boxen.

Ihr könnt ruhig euren Dreck über uns ergiessen, schlagt auf uns ein, lasst unser Blut fließen. Wir haben andere Werte als Macht und Geld, wir verachten euch wie sonst nix auf der Welt!
– S.F.Oi –

Optisch ist das Teil entsprechend dem Grundthenor und seiner nostalischen Thematik, minimal gehalten. Ja, es erinnert mich auch hier wunderbar an die frühen Produktionen der damaligen großen Produktionsfirmen für Skinrock und mehr. Ein klassisches, vierseitiges Beiheft mit zwei Texten, die Gestaltung ist einfach gehalten. Die Nostalgie lebt hier eben nicht nur in den Liedern, auch in der Aufmachung geht es zurück in wilden Zeiten.

Hirnsturz liefern mit „Salut“ ein keinen musikalischen Traum für Nostalgiker, für die, die noch einmal jung sein wollen und sich erinnern möchten. Der Soundtrack der Straße wird hier wiedergeboren. Wir haben einige Silberlinge serviert bekommen, die sich mit den Achtzigern und Neunzigern beschäftigen und die Lieder dieser Zeit nachspielen. Allerdings, und ich bin mir ziemlich sicher das ich mit dieser Meinung nicht alleine dastehen werde, keines hat den Charm, die Atmosphäre und Authentizität, wie das „Salut“ Album. Hirnsturz hat alles richtig gemacht und wir dürfen uns über ein schäbig-geiles Brett freuen das nur so von Liebe zum Kult und Nostalgie trieft. Vielen Dank für diesen gelungenen Silbering und nun, wie kann man diese Rezension am besten beenden? Irgendwie nicht besser als wie mit der nachfolgenden Strophe, in diesem Sinne: „Vielleicht sind wir zu alt dafür, doch im Herzen brennt noch was und wenn es nicht die Liebe ist dann ist wohl noch Hass. Bringt die alten Zeiten zurück, alte Freunde gutes Bier. Bringt die alte Garde zurück, denn wir stehn noch immer hier…“

Titelliste:
01. Intro
02. S.F.Oi
03. Unsere Kneipe *
04. Alte Garde *
05. KfD **
06. Salut
07. Skinheads 99 ***
08. Viele Jahre ****
09. Wie die Wikinger ***
10. Working Class *****
11. Rausschmeisser ******

* im Original von Holsteiner Jungs
** im Original von Störkraft
*** im Original von Freikorps
**** im Original von 08/15
***** im Original von Endstufe
****** im Original von Volkszorn, Sturmwehr, Störkraft, Nordwind & Endstufe

Hörprobe – Hirnsturz – Alte Garde:


Kurzinterview mit Hirnsturz

Frontmagazin:
Hirnsturz steht hörbar und bewusst im Zeichen der wilden Achtziger und Neunziger Jahre, ist ein Album mit den Klassikern der alten Tage überhaupt noch zeitgemäß oder relevant? Was hat dich dazu bewogen, ein Album mit überwiegend Coverliedern der alten Tage zu kreieren?

Hirnsturz:
Ob es zeitgemäß ist, können wir nicht beurteilen, aber war das auch nicht die Zielsetzung beim Entstehungsprozess. Der Grundgedanke war es, eine CD zu machen, die einen Tribut an unsere Jugend, Freunde und die damalige Musik setzt. Wir wollten kein neues politisches Statement erzeugen, uns war wichtig ein Album aufzunehmen, welches für Spaß sorgt.

Frontmagazin:
War der Rechtsrock der Achtziger und Neunziger anders als der Gegenwärtige? Was verbindest du mit diesen Zeiten und den Liedern?

Hirnsturz:
Anders war er sicher nicht, die Zeiten waren es. Für mich z.B. entstand in dieser Zeit etwas neues. Rebellion gegen alles und jeden, teil einer Gemeinschaft und ein Gefühl von Stolz und Stärke. Es war ein grosses Abenteuer. CDs bekam man nur über Kontakte und Papierlisten, Handys gab es damals kaum, man musste schon seinen faulen Hintern an die üblichen Plätze und Clubs bewegen um seine Freunde zu treffen. Infos über Gruppen gab es oft nur in zum Teil schlecht kopierten Zines und es gab die tollsten Legendenbildungen in dieser Zeit. Es war alles jung und frisch. Man versuchte gar nicht erst sich anzupassen, ganz im Gegenteil, man war mit Fleiß dagegen! Und das spiegelt sich auch in der Musik von damals wider. Sie war recht kompromisslos und behandelte genau das, was wir auf der Straße erlebten. Heute ist man sicher bedachter, was Texte und Themen angeht, aber damals war das egal.

Frontmagazin:
Hast du die Aufmachung daher und bewusst so minimalistisch gehalten, zu Ehren der wilden Jahre? Könntest du dir vorstellen, dass dieses Werk die Atmosphäre alter Tage noch einmal einfängt und der Hörerschaft vermittelt?

Hirnsturz:
Ja, wir haben versucht, die Musik und eben auch die Gestaltung in der Tradition der alten Tage zu halten. Bis auf das letzte Lied wurde versucht, die Lieder nicht übermäßig aufzupeppen, aber sie in einem modernen Gewand zu wandeln. Für uns und unsere Freunde fängt es die Atmosphäre ein und wir hoffen das die CD so manchem alten Haudegen ein Grinsen ins Gesicht versetzt.

Frontmagazin:
Wie verliefen die Aufnahmen und die Zusammenarbeit mit Oldschool Records an dieser Produktion?

Hirnsturz:
Die Produktion verlief super und war von Spaß und Nostalgie geprägt. Oldschool Rec hat seine Arbeit auch super gemacht und uns tatkräftig zur Seite gestanden.

Frontmagazin:
Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Werk gerade bei der jüngeren Generation auf zuckende Augenbrauen stoßen könnte. Was möchtest du der jüngeren Generation mit auf den Weg geben wenn sie dich Fragen würden, was das sein soll und warum du dieses Werk in Leben gerufen hast?

Hirnsturz:
Ich weiß nicht, ob man das Gefühl von damals auf die jungen Leute übertragen kann, aber das war auch nie die Ambition. Wir wollten mit der CD etwas machen, wo wir Lust drauf und Spaß dran hatten, ganz egal was die breite Masse davon hält. Sicher ist es aber schön, wenn es vielen gefällt.

Frontmagazin:
Hier sind fünf alte Klassiker, deine Meinungen zu den Werken bitte:

1. Sturmwehr – Zerschlag deine Ketten
Hirnsturz:

Lief damals hoch und runter und hat so manche Feier geprägt!

2. Odins Erben – Helden sterben einsam
Hirnsturz:

Ging damals komplett an mir vorbei. Nordwind lief oft, aber Odins Erben hab ich erst viel später kennengelernt.

3. Holsteiner Jungs – Zurück auf den Straßen
Hirnsturz:

Lief damals auch oft, aber war aufgrund der Masse von Kai´s Veröffentlichungen nur ein Teil vom Ganzen. Früher hätte man ja nicht ständig CDs, da liefen eigtl hauptsächlich Kassetten mit wilden Mixen drauf.

4. Skrewdriver – Warlord
Hirnsturz:

Ich muss sagen, dass die englische Musik bei uns damals gar nicht so angesagt war. Es gab so viel deutsches, so dass Skrewdriver für uns damals eine Band von vielen war, die nicht so oft lief. Da kann man sich sicher unbeliebt mit machen, aber wir wollen ja ehrlich sein 😆 Glory und Suddenly waren Top Stücke auf der Platte, allerdings lagen mir persönlich 2-3 andere Werke der Jungs eher.

5. Kraftschlag – Deutsch geboren
Hirnsturz:

Das war damals ein Brett, lief damals in Dauerschleife. War nicht die klassische Skinhead/Party Musik aber sie hatte einen fetten Klang, Top Lyriken und weiß bis heut zu begeistern!

Frontmagazin:
Die letzten Zeilen gehören dir, Grüße, Danksagung oder sonstiges. Ich werde nun die „Alte Garde“ anrufen und mich nach deren Wohl erkundigen. Vielen Dank für die Beantwortungen der Fragen und weiterhin alles Gute und maximalen Erfolg, sowohl privat wie auch musikalisch!

Hirnsturz:
Wir danken dir für die Fragen und das Interesse an unserer Gruppe. Du leistest super Arbeit, weiter so! Grüße entsenden wir an alle aufrechten in dieser Zeit, ihr wisst wer ihr seid!

Author: Frontmagazin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.