Libertin – 136
Frontmusik | CD
Und wieder haben wir hier ein Album, welches mich überrascht hat. Und dies, wo ich keine großen Erwartungen an diesem Werk hatte. Ja, so kann es kommen und es freut mich daher gleich umso mehr, dass dieser Silberling doch so überraschend ausgefallen ist. Auch rückblickend auf das vorherige Album, wo überwiegend Jan-Peter noch für den Gesang zuständig war und dieser ja bekanntlich eine einzigartige Stimme hat(te). Sicher, der Vergleich hinkt hier und dort, dennoch hat man den Namen “Libertin” immer irgendwie mit ihm in Verbindung gebracht. Aber wollen wir nicht in vergangenen Tagen schwelgen und uns stattdessen auf das vorliegende Werk konzentrieren.
Mit “136” gibt es wieder einmal ein Werk, welches sich wild und ungeniert durch die unterschiedlichsten Stilrichtungen wütet. Rock, Hardcore und Metal, balladeske Klänge, es ist erneut von vielen musikalischen Richtungen etwas vertreten. Und genau das ist es, was dieses Album auch so interessant erklingen lässt. Ja, es ist nicht das erste Album dieser Art, vom wilden musikalischen Treiben in den unterschiedlichsten Gefilden, aber sicherlich eines von denen, die sich damit positiv hervorheben.
Musikalisch scheppert das neue Studioalbum “136” ordentlich, teils richtig schön harte Riffs, garniert mit passenden melodischen Parts und eingängigen Rhythmen. Und dass es hier nicht gerade sanft zur Sache gehen wird, macht der Schreihals bereits mit dem ersten Lied “In memoriam heroum Europae” deutlich. Dass es hier wenig unpolitisch zur Sache gehen würde, steht
wohl außer Frage, immerhin haben Libertin schon in der Vergangenheit ihre Positionen klar und deutlich vermittelt. So auch auf diesem Tonträger dabei gibt man sich in der Darbietung facettenreich und serviert der interessierten Hörerschaft eine starke Politscheibe. Die durchdachten Texte werden gesanglich vielschichtig vorgetragen, mal klar und etwas ruhiger, ich möchte sogar behaupten, dass es ein wenig erzählerisch, ja sogar in Richtung Sprachgesang zu Werke geht und dann wieder mit einer wütenden Schreierei, dass es einem das Trommelfell zerfetzt. Dabei erhält der Schreihals sogar in einigen Liedern tatkräftige Unterstützung von einigen Könnern und Kennern der propagandistischen Kunst, mit dabei Path of Resistance, Green Arrows, Ethos, Painful Awakening und Volchiy Krest. Das macht schon was her und kommt dieses Album mit jeder Menge Abwechslung daher. Lieder wie “Revolution”, die kritische Nummer “Du bist nichts” oder das emotionale “Verzweiflung”, sind nur einige der gelungenen Beiträge auf diesem Tonträger. Kritik muss sein und so muss ich allerdings sagen, dass die Coverversion von “Ode to a dying people” leider nicht passt. Sicherlich, auf der einen Seite ist eine Eigeninterpretation, die stilistisch dann noch abweicht, eine interessante Sache sein. Lieder aber nicht hier, dies liegt natürlich auch an meinem persönlichen Geschmack, denn für mich ist “Ode to a dying people” eines der stärksten und besten Lieder überhaupt, da sind die Erwartungen schon sehr, sehr hoch angesetzt bei einer Nachspielversion. Sieht man von diesem Punkt ab, ist das “136” Studioalbum ein wirklich schönes und starkes Werk geworden, jede Menge klare und direkte Botschaften mit musikalisch durchdachten und gekonnten Klängen.
Alles hat bekanntlich sein Ende und so kündigt sich mit diesem Album wohl bedauerlicherweise auch der Abschied von Libertin an. So hat man sich für dieses letzte (?) Studioalbum in Sachen Aufmachung bei der guten, alten Gjallarhorn Klangschmiede etwas Feines einfallen lassen. Zum einen kommt das Album in einem schlichten und doch schicken Digi daher und dieses bringt gleich zwei Beihefte mit sich. Wobei es bei einem ein Faltblatt ist, welches den kompletten Werdegang von Libertin beinhaltet und dessen Geschichte erzählt. Das klassische Beiheft beinhaltet die Texte dieser Scheibe. Da wurde zum Abschied eine gelungene Aufmachung serviert, schöne Sache.
Da bleibt abschließend dann auch nicht mehr viel zu schreiben, außer vielleicht, dass es wirklich schade um dieses Bandprojekt ist. Libertin haben Potenzial und hätten sicherlich noch einiges zu bieten. Sowohl musikalisch als auch textlich. Vielleicht gibt es ja irgendwann ein Wiedersehen oder besser gesagt, ein Wiederhören. So verbleibe ich mit einem Dank für dieses starke, abschließende Album. Hört rein, auch wenn eine Hörprobe nicht die ganze musikalische Kraft repräsentiert, die dieser Tonträger mit sich bringt.
Titelliste:
01. Intro
02. In memoriam heroum Europae
03. Werwolf
04. Revolution
05. Du bist nichts
06. Can´t you see?
07. Europe belongs to us
08. Verzweiflung
09. Ode to a dying people *
10. Fern
11. Hristo Lukov
12. TL ade
13. Homeless
14. F*ck
15. Westfalenlied
* im Original RaHoWa
Hörprobe – Libertin – Revolution: