Bully Boys, The – Die Bandgeschichte der Skinhead Superstars

Seid gegrüßt. Mein Name ist Scott Lessing und ich bin Sänger in der Band Bully Boys. Als ich das erst Mal nach einer Bandgeschichte gefragt wurde (es war für das Hammerskin Jahrbuch), schrieb ich mindestens drei verschiedene Versionen über die Vorgänge der Vergangenheit. Es ist schwer über die Vergangenheit zu schreiben, da einige der ehemaligen Bandmitglieder es nicht mehr wert sind erwähnt zu werden. Die Band ist mein Leben, seit dem ich ihr 1984 bei getreten bin. Es gab einige Jahre in denen die Band brach lag und wir nicht auftraten. Dennoch geht es mit der Band weiter wie bisher. Und mit der momentanen Besetzung bin ich sehr glücklich. Wir fühlen noch das alte Feuer und fühlen uns imstande weiterhin unsere Botschaft zu verbreiten. Aber nun zur Bandgeschichte:

Die Bully Boys wurden 1983 von Todd Hemingway gegründet. Sie waren eine Skinheadband ohne Talent und ohne Unterstützung. Es gab überall Ärger wo sie auftraten. Ich sah die Band das erste Mal live in einem alten Warenhaus in der Innenstadt von Orlando, Florida welches von 2 Veteranen der HC Szene geleitet wurde namens Robin und Regina. Robin veranstaltete jedes Wochenende und die Bully Boys traten dort regelmäßig auf. Ich sah sie einige Male spielen, bevor ich das erste Mal mit Todd und Wallace, den originalen Mitgliedern in Kontakt kam. Orlando hatte zu dem Zeitpunkt eine relativ große Skinhead Szene und das Warenhaus war ein bekannter Szenetreff. Einer meiner damaligen Kumpels, Rusty, spielte in einer Punk/Oi Band und wir beideprobten gelegtlich vor uns hin. Rusty am Bass und ich am Schlagzeug. Nachdem Todd herausfand das wir beide Musiker waren, wurden wir gefragt ob wir bei den Bully Boys spielen wollten, was wir sofort annahmen. 2 Wochen und eine Proberaumstunde später hatten wir dann auch schon unseren ersten gemeinsamen Auftritt. Wir spielten auf einer Hardcore Show in Tallahassee, Florida mit 6 weiteren Bands. Todd am Gesang, Wallace Gitarre, Rusty Bass und ich am Schlagzeug. Wir kamen bereits betrunken dort an und waren definitiv nicht in der Lage zu spielen. Wir kannten die Lieder noch nicht wirklich, liessen uns aber nicht beirren und fingen an zu spielen. Nach dem ersten Lied fingen die 200 Zuschauer bereits an uns auszubuhen. Dennoch spielten wir weiter. Wir waren zumindest erfolgreich den Leuten den Abend zu versauen. Wenigsten etwas…

Die Bandmitglieder kamen sich näher und zogen später gemeinsam in eine WG. Wir lebten in einem Appartment in einem runtergekommenem Block, wo einige Leute unserer „Crew“ lebten, den O-Town Skins. Die Gegend lag Zentral und es war nicht weit zur Arbeit und es lebten hauptsächlich Weiße in dieser Region. Des Weiteren war die Gegend für ihre Schwulenszene bekannt.

Wir schossen die Lampen um unsere Blocks aus, so dass es Nachts stockduster war. Die Schwulen trafen sich in einem Park, nahe unserer Wohnung und trieben dort was Schwule halt so treiben. Wir wurden ihr schlimmster Alptraum und nach 2 Wochenhatte sich das aber erledigt und auf Jahre hinaus wurde die Gegend von den Schwulen gemieden.

Wir hatten damals sehr viel Spass und auch unsere Ruhe. Orlando hatte eine grosse Militärbasis und man hielt uns für kurzhaarige Soldaten. Es gab noch keine Akten über Gangkriminalität und Skinheads waren noch nicht bekannt. Aber wie alle guten Sachen, ging auch diese Zeit zu Ende. Eines Nachts wollten wir eine Schwulenkneipe aufmischen, welche sich allerdings als Normalo Kneipe entpuppte. Dennoch gab es Streit und die Polizei kam. Es kam zu einer grossen Auseinandersetzung. Todd wurde 3 Mal mit einem Messer getroffen ich wurde eingesperrt, da ich einen Polizisten einen Bierkrug auf den Kopf schlug.

3 Freundinnen von uns wurden wegen Brandstiftung in Gewahrsam genommen (sie schmissen Molotow Cocktails auf die Kneipe). Daraufhin wurde die erste Gang Akte von Orlando angelegt und die O-Town Skinheads waren Staatsfeind Nummer 1. Ich wurde nach einiger Zeit auf Bewährung  aus dem Knast entlassen und Todd erholte sich von seinen Wunden. Der Stress mit der Polizei ließ uns aber aus Orlando weg ziehen.

Die Band gründete sich dann in Kalifornien mit einer neuen Besetzung. Todd spielte Bass, Wallace übernahm den Gesang, Jeff war unser neuer Gitarrist und ich trommelte weiterhin das Schlagzeug. Wir spielten einige Shows in Kalifornien, lösten uns 1987 aber auf. Die Skinheadszene in Kalifornien war zu dem Zeitpunkt schlecht. Nicht-Weiße, Drogenabhängige uns Scooter Boys. Rusty und ich zogen dann nach Texas. Dort gab es eine starke WP Skinhead Szene und wir erkoren Dallas zu unserem neuen Domizil. Die Dallas Szene war sehr stark und wir waren über 50 Mann. Wir hielten zusammen und wir „beherrschten“ eine Region in der Altstadt namens „Deep Ellum“. 1988 gründeten sich die Confederate Hammerskins. Sie wurden von 3 Leuten gegründet, wovon ich nur 2 nennen möchte. Die Dritte ist mittlerweile fach nicht mehr wert. Sean und Liz Tarrant führten die CHS mit der Absicht Stolz auf ihre Kultur zu lehren und sie politisch zu schulen. Ende 1988 wurden die CHS wegen diversen Sachen angeklagt. Es ging um Verletzung der Bürgerrechte von „Mitbürgern“, illegaler Waffenbesitz, versuchter Todschlag, usw usf. Die meisten der damaligen Mitglieder waren noch sehr jung und unerfahren. Wenn ich mich recht erinnere, waren von den damaligen Mitgliedern 15 Leute angeklagt. Lediglich 5 von ihnen gingen keine Kooperation mit dem Staatsanwalt an, machten keinen Deal und keine Aussage. Die Regierung spielte die jungen Leute gegeneinander aus. Einige machten Aussagen und diese führten dazu die 5 standhaften zu verurteilen.

Es war damals ein riesen Skandal in der Öffentlichkeit und die Zeitungen berichteten sehr viel von den Vorfällen in Texas. Mike Lawrence und Sean Tarrant, die Hauptangeklagten waren damals gute Freunde von mir und es tat sehr weh als sie zu 8,  bzw 10 Jahren verurteilt wurden.

Nach Dallas nahm sich das FBI Tulsa vor und zerstörte das dortige Hammerskin Chapter. Dort passierte im Anschluss das selbe wie in Dellas. Einige blieben standhaft und schwiegen, andere verrieten ihre Überzeugung und Kameraden. An dem Punkt reifte in mir der Gedanke der HS Bruderschaft beizutreten. Ich dachte zu mir selber, dass diese Leute unter keinen Umständen aufgeben würden. Die Leute, welche ihre Freiheit aufgeben um ihre Ideale hochzuhalten, entzüdenten ein neues Feuer in den ganzen USA. Dieses Feuer wurde zur stärksten, engsten und meist gefürchteten Skinhead Bruderschaft der Welt. Und ich war sehr stolz ein Teil davon zu sein. Ich zog zurück nach Texas und verbrachte viel Zeit mit meinen Brüdern und Schwestern. 1990 gab es wieder einen größeren Kampf mit einigen Schwarzen und Mexikanern. Ein Schwarzer war im Koma und einige andere ziemlich böse verprügelt worden. Ich und 5 andere wurde fest genommen und angeklagt. Ich wurde 6 mal wegen schwerer Körperverletzung mit einer tödlichen Waffe angeklagt und zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Gesetze in Texas zu dem Zeitpunkt sahen eine Verbüßung vor, welche mich bereits nach 2 Jahren entließen. Über die ganze Zeit war ich im konstanten Kontakt mit meinen anderen Brüdern, welche im Dellas und Oklahoma Prozess verurteilt wurden. Nachdem ich entlassen wurde, beschlossen Rusty und ich die Band weiter zu führen. Wir waren nur zu zweit und wollten uns auf daher auf Studioaufnahmen konzentrieren. 2 weitere Brüder stiegen mit ins Boot und die Besetzung war vollständig.

The Bully Boys – American Skins (Demo ´84)

Wir nahmen einige Lieder für verschiedene Sampler auf und waren musikalisch besser denn je. Wir spielten nun öfters in und um Dellas. Alles sah sehr gut für uns aus. Wir entschieden ins Studio zu gehen um unsere erste CD aufzunehmen. Wir wollten 12 Bully Boys Klassiker mit neuer Power versehen. Wir waren im Studio für knapp 3 Tage vevor ich erneut verhaftet wurde. Ich war unschuldig, allerdings noch auf Bewährung. Es dauerte 8 Monate, bis meine Unschuld bewiesen werden konnte.

Wärend meiner Haftzeit erfuhr ich von meiner Frau das Rusty mit der geplanten CD etwas komplett anderes als geplant machte. Er nannte die Band „Shutdown“, das Material wurde viel härter eingespielt als geplant und mit vielen Effekten versehen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich andere Sorgen, sah ich doch einer möglichen lebenslänglichen Haftstrafe entgegen und machte mir über Scheibe keinen weiteren Kopf. Was mich allerdings sehr aufregte, war die Tatsache das Rusty von den Erlösen aus der CD keinen Cent für meine Frau und mein frisch geborenes Kind abgab. Rusty war über 15 Jahre lang angeblich mein bester Freund gewesen…

Nachdem ich nach 8 Monaten entlassen wurde, entschied ich mit den Bully Boys weiter zu machen. Rusty und der Rest versuchten das Shutdown Projekt. Das war die beste Entscheidung, da sie einen Weg bestritten, welchen ich mit mir nicht vereinbaren konnte und wollte. Sie hatten nichts mit meiner Überzeugung, meinem Glauben und Ansichten gemein.

Einer meiner gute Brüder (Ed von Bound for Glory) half mir die Bully Boys wieder auf die Beine zu bringen. Ich wollte eine komplette Besetzung, welche auch weltanschaulich auf der selben Linie lagen. Mein Bruder Sean (Begründer der Hammerskins) war gerade aus der Haft entlassen, nachdem er fast ein Jahrzehnt abgesessen hatte. Während seiner Haftzeit entdeckte er ein unentdecktes Talent fürs Schlagzeug spielen. Zusammen mit Mike von den Dellas Hammerskins, Ed und Sean reformierten wir die Bully Boys erneut. Sean übernahm das Schlagzeug, Mike den Bass, Ed die Gitarren und ich übernahm nun den Gesang.

Wir wählten einige Lieder der nun über 15 jährigen Bandgeschichte und entschlossen sie neu einzuspielen. Wir nannten die CD dann „Zensiert“. Wir nannten sie so, da die meisten Titel bereits  auf einem alten Demoband von 84 drauf waren  welche viele noch kannten. Wir brachten sie auf unseren aktuellen Stand und päppelten sie auf. Das Ergebnis lies sich sehen und wir heimsten überall positive Kritiken ein. In der Folgezeit spielten wir auf dem Hammerfest, in Europa, Australien und einigen weiteren, kleineren Konzerten in den USA. Wir spielten noch eine weitere CD ein (welche inzwischen ebenfalls auf den Index gesetzt wurde- die Schriftleitung). Diese erschien bei Panzerfaust Records. Unsere letzte Scheibe  ist eine Split CD mit Brutal Attack aus England, welche ebenfalls auf Panzerfaust erschien. Panzerfaust ist Geschichte und inzwischen hat Scott ein eigenes Label names Old Guard Records.

HFFH Scott Lessing

The Bully Boys – Superstar (von der Anthems With an Attitude Split CD)

Bis hierhin stammt die Bandgeschichte aus der Nordwind Ausgabe 6/2006 und wurde mit freundlicher Genehmigung der ehemaligen Schriftleitung zur Verfügung gestellt. Die folgende Ergänzung / Erweiterung wurde vom Frontmagazin verfasst und kann als Anschlussartikel betrachtet werden, um die Bandgeschichte auf den aktuellen Stand zu bringen.

Fortsetzung folgt!

Author: Frontmagazin

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