Kahlkopf – Soldat – Neuauflage

Kahlkopf – Soldat – Neuauflage
Das Zeughaus | CD

Hui, da hat sich Das Zeughaus wirklich an einen Klassiker gewagt und diesen als Neuauflage veröffentlicht…

Ha, ha, ich feier gerade die alten Zeiten noch einmal. Warum? Nun, gerade dreht die Neuauflage von dem Kahlkopf Album „Soldat“ seine Runden in der Anlage. Was soll man hier eigentlich großartig schreiben? Das Teil sollte eigentlich jede Skin aus dem deutschen Lande kennen, zu Anfang der goldenen Neunziger erblickte dieses Album als LP bei Rock-O-Rama das Licht der Welt. Lieder wie „Gute Nacht“, „Die S.. von Nebenan“ oder das Titelstück „Soldat“, gehörten damals auf jede Glatzenparty und hat auf ganzer Linie für Begeisterung gesorgt. Ja, die alten Hasen streiten sich noch immer in heutiger Zeit, ist „Soldat“ nun besser oder schlecht als das Erstlingswerk? Ich möchte bezüglich dieser ewigen Diskussion gar keine Stellung beziehen. Aber eines kann ich ohne große Bedenken sagen oder besser schreiben und dazu stehen, beide Scheiben sind besser als die unsäglich schlechte dritte Scheibe!

Die Neunziger waren schon grandios, einfach solide radikal und ehrlich. Mit dem Wandel bei Rock-O-Rama Records etablierte sich seinerzeit das wohl absatzstärkste Label für Rechtsrock. Unzählige Klassiker und jede Menge an grottenschlechter Gülle ging über den Ladentisch. Eine Produktion war eben die „Soldat“ von Kahlkopf. Die Band formierte sich schon Anfang der Achtziger, doch erst gegen Ende der jenes Jahrzehnts erschien das Erstlingswerk der Kombo. Kahlkopf waren zwar eine von vielen (aufstrebenden) Gruppen am wilden Rechtsrockhimmel und doch, die Truppe war irgendwie anders. Flotter Deutschrock mit rechten Anstrich, so kamen Kahlkopf gut an und stießen dabei so einige Mitbewerber von der Strecke. Es werden mich vielleicht jetzt einige verteufeln und auch wenn das Lied „Gute Nacht“ eine klare Botschaft an eben gleich genannte Band spricht, so muss ich mit jedem Lied auf der „Soldat“ Scheibe, an die „Böse Menschen – Böse Lieder“ von den Onkelz denken. Für mich ist „Soldat“ das rechte Pendant zu zweiten Album der Frankfurter. Ich bleibe bei dem Lied „Gute Nacht“. Auch noch heute ist es so, gerade läuft die Nummer und ich musss sofort an „Hässlich, Brutal und Gewalttätig“ von den Frankfurtern denken. Vielleicht waren es auch einfach nur die Zeiten, die Art der damaligen Musik, die einem einen Vergleich zwischen zwei Banfs ziehen lässt. Wie auch immer, für mich ist es zumindest kein schlechter Vergleich. Warum? Nun, ich höre die „Soldat“ nach vielen Jahren mal wieder und sie gefällt mir immer noch. Ja und die „Böse Menschen – Böse Lieder“, die ist für mich ein kleiner Klassiker.

Doch auch andere Lieder wie beispielsweise „Die S.. von nebenan“, eine Nummer die ebenfalls an eine andere, legendäre Onkelznummer erinnert. Wenngleich diese Nummer hier auch wesentlich schleppender daher kommt, aber nicht weniger bedrückend und schockierend. „Soldat“, das Titellied von dem Album lässt Kahlkopf dann aber gleich in dem Licht erstrahlen, in dem die Onkelz damals ja nie gewesen sein woll(t)en. Wer eben mit dem Vergleichsalbum etwas anfangen kann oder es gar verehrt, der wird mit „Soldat“ seine Freude haben.

Es waren Ehrlichkeit, Gradlinigkeit und Kompromisslosigkeit, die diese Lieder damals so geliebt und gehasst werden lassen hatten, und auch in heutiger Zeit nichts an Charm einbüßen lässt. Die Lieder sind zeitlos, egal was manch ein junger Hüpfer auch sagen mag. Ohne Bands wie Kahlkopf und Mitstreiter der Anfangstage des Rechtsrock, würde es die noch so technisch aufgemotzte und geleckte Beatdown Hardcore und Rechtsrockkapelle, mit ihren neumalklugen und extravaganten Weisen, in heutiger Zeit nicht geben. So erfreulicher ist es dann auch, dass man dieser Kultplatte neues Leben einhaucht und sie der neuen Generation wieder zugänglich macht. Die Neuauflage kommt im komplett neuer Aufmachung und ich hier ehrlich, es ist zwar technisch und optisch schick umgesetzt aber es passt überhaupt nicht zum Album. Nichts gegen Mudhater Design, die Kunstschmiede leistet und liefert wirklich großartige ab und es liegt mir fern dem Küstler was böses zu wollen, aber das Design passt nicht ansatzweise. Viel zu neumodisch, so sehr Act of Violence lastig. Einfach völlig fehl am Platz, dass ging meiner Meinung nach, nach Hinten los. Aber gut, die junge Generation wird das Original vermutlich eh nicht vor der Linse haben und so passt es dann auch wieder irgendwie, irgendwo. Das Zeughaus ist für die Neuauflage verantwortlich, das Label hat – bis auf die Gestaltung meiner Meinung nach – gute Arbeit geleistet. Es ist schön das Klassiker der alten Tage wieder das Licht der Welt erblicken und der beziehungsweise den neuen Generation wieder zugänglich gemacht werden. Jäger und Sammler haben das Original im Regal stehen, da kommt das Teil wirklich nur in Frage, wenn man Extremsammler ist. Der Rest hört rein und entscheidet bekanntlich wieder nach eigenen Ermessen. Hier regiert zehn Lieder lang, die goldenen und radiakalen Neunziger. Holt die Boots raus, heut´ Nacht gibt es… ihr wisst schon! 😉

Titelliste:
01. Schwarzer Mann
02. Gute Nacht
03. Die S.. von nebenan
04. Klaus
05. Schlecht
06. Trinker an der Theke
07. Friss oder Stirb
08. Gülle Rap
09. Soldat
10. Verliebt, Verlobt, Verheiratet

Hörprobe – Kahlkopf – Gute Nacht:

 

Author: Frontmagazin

3 thoughts on “Kahlkopf – Soldat – Neuauflage

  1. Ja, eine außergewöhnliche Scheibe, die man definitiv als Klassiker bezeichnen kann. Natürlich, gibt es die ewigen Nörgler, insbesondere die junge Generation, die diesem Werk textlich nichts abgewinnen können. Zu der damaligen Zeit, waren die Gruppen, Wotan, Werwolf, Märtyrer, Störkraft usw.., eben geradlinig und teilweise in Ihrer Wortwahl etwas radikahl. Ich persönlich mag diese „alten Schinken“ immer noch und bevorzuge diese gegenüber manch neuer Veröffentlichung. Und mal ehrlich manche Textstelle ist aktueller denn je. Jedenfalls ist vorliegende Scheibe bzw. Neueröffentlichung sehr empfehlenswert. Musikalisch würde, im Gegensatz zum Erstwerk, eine Schippe an Härte mit verarbeitet. Ganz im Stil des damaligen Thrash Metal Booms. Und natürlich war bzw. Bin ich den alten Thrasmetal auch heute nicht abgeneigt, deswegen ist Soldat ein ständiger Wegbegleiter, nebst oben genannten Scheiben. Gutes Review, weiter so

    1. Sei gegrüßt,

      ich weiß ja nicht was für Differenzen und / oder Probleme du mit dem Lutz hast, aber ich finde generell diese ständige, meist ziemlich belanglose und aus persönlichen Beweggründen entstandene Kapitalismuskritik in den rechten Kreisen, für unnötig. Jeder hat natürlich seine Ansichten, berechtigterweise, aber wo ist/wäre/würde hier jetzt das Problem sein, wenn der Lutz sein Tantieme an diesem Werk erhält / erhalten würde?

      Fühl´ dich bitte nicht angegriffen, dieser Umstand ist nur mittlerweile wieder ziemlich in Mode innerhalb der rechtspolitischen Musikszene gekommen – wenn es nicht schon immer so war und nur wieder entflammt wurde?!

      Beste Grüße
      Dein Frontmagazin

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