OHL – Heimatfront – Neuauflage

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OHL – Heimatfront – Neuauflage
Rock-O-Rama Records | LP

Kontroversität, eine Konstante die sich über die Jahrzehnte innerhalb der politisch unkorrekten Musikszenen gehalten hat und bis heute noch immer eine der treibenden Kräfte darstellt. Und als Anfang der 1980er Jahre der Punk noch Punk war, nicht verzeckt und für sozialkritische Botschaften stand, gab es eine Band die den deutschsprachigen Hardcore-Punk wie keine andere Kapelle geprägt hat, OHL, die Oberste Heeresleitung aus Leverkusen.

Als man sich erstmals im Jahr 1981 über Rock-O-Rama Records mit dem vorliegenden Debütalbum “Heimatfront” zu Wort meldete, ahnten Deutscher W und seine damaligen Punkgefährten wohl kaum welche Welle der Empörung sie mit ihrem Material losreißen würden. Dies lag sicherlich nicht zuletzt an ihren polarisierenden Texten, Provokation und Gradlinigkeit haben sich die Leverkusener nämlich von Anfang an, auf die Fahne geschrieben und mit beispielsweise dem “Botschaftlied” oder “Deutschland” auch musikalische Volltreffer gelandet. Und an diesen eingeschlagenen Kurs hält die Band bis zum heutigen Tage fest, was selbstverständlich nicht ohne Kontroversen verlaufen kann. Wie auch, schließlich ist man als politische Band immer dem Sperrfeuer der Gegenseite und des Establishments ausgesetzt. Viel mehr bei OHL sogar noch, für die Linken waren OHL verkappte “Nazis”, für die Rechten waren es dumme “Zecken” und in den Augen und Meinungen der politischen Obrigkeiten gab es für Solche wie OHL keine passende Schublade.

OHL haben von Beginn an polarisiert, stets mit der Kontrroverse gespielt und sind dabei von Anfang an, angegeeckt. Interessant dürfte deshalb auch sein, dass die Stadt Dortmund seinerzeit eine Indizierung für den Tonträger aufgrund von vier Liedern beantragte. Die Bundesprüfstelle widersprach dem Antrag allerdings zuerst mit dem Argument, diese Stücke seien nicht indizierungswürdig und somit wurde dieser abgelehnt, dennoch wurde der Tonträger im selben Jahr der Antragsstellung und Abweisung, dennoch indiziert. Inzwischen ist die Verjährungsfrist verstrichen und eine Folgeindizierung wurde nicht gestellt. Am 31. Juli 2012 wurde “Heimatfront” aus der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen.

OHL haben bis zu ihrer Auflösung 1987, vier Alben über Rock-O-Rama Records veröffentlicht – ich hoffen inständig, dass diese nach und nach neu aufgelegt werden. So haben Deutscher W aka. Dirk Windgassen und seine Mitstreiter mit einem ziemlich eigenwilligen und aggressiven Hardcore-Punk / Deutschpunk überzeugt. Der Stil dürfte in seiner Anfangszeit stark durch die erste Punk-Welle aus England beeinflusst wurden sein, radikal, roh und schön zügig interpretiert. OHL haben sich idologisch und damit auch textlich stets gegen die radikale Linke wie auch die radikale Rechte gestellt, wobei die Positionierung gegen die radikale Linke erst richitg mit der dem 1983er Album “Oktoberrevolution” in Erscheinung trat. Seit diesem Zeitpunkt an, stehen OHL nach eigener Aussage wieder dem linkem wie rechtem politischen Extremismus und religiösem Fanatismus – die Band hat sich 1993 reformiert.

Bis zur deutschen Wiedervereinigung sollten noch einige Jahre vergehen, dennoch brodelte es in der Republik und mit Lieder “Widerstand”, “Hindustan” oder “Kernkraftritter” wurden bereits damals schon politisch ordentlich Kritik geübt. Übrigens, seinerzeit war das “Botschaftlied” der Grund für die Indizierung. OHL haben deutlich eine Antiamerikanische Haltung symbolisiert, hier ein Auszug aus dem Lied: „Stürmt die amerikanische Botschaft, ich halte nichts von amerikanischer Freundschaft, ich hab’ nichts gegen das Volk, aber gegen den Staat“.

Im Zuge der Neuauflagen, erschien nun das legendäre Dbütalbum der OHL erneut in unveränderter Version bei Rock-O-Rama Records. Mit einer Ausnahmen, dem Vinyl-Mastering, um den Sound noch etwas mehr Druck zu verleihen, hat man das Teil dem Original nachempfunden. Was ich sehr begrüße, wenngleich dieses Werk sicherlich für Aufsehen sorgen wird, noch heute. Zweifelsohne ist “Heimatfront” ein Album, welches maßgeblich den Ton angegeben hat in Sachen politisch-sozialkritischen Deutschpunk. An diesem Kurs haben OHL bis zum heutigen Tag festgehalten, stilistisch zwar nicht mehr ganz so viel klassischer Punk, dfür mehr Hardcore, was aber auch nicht zum Nachteil führte. Dieses Album wird gleichermaßen geliebt, feiert, gehasst und geächtet, sowohl bei der Rechten als auch bei der Linken. Ein musikalischen Zeitdokument in Form einer schicken Neuauflage, eine Schallfolie für all jene, die sich in keine Schublade stecken lassen wollen!

Titelliste:
Seite A
01.Leverkusen
02. Kraft durch Freude
03. Botschaftlied
04. Patte
05. Türkenlied (langsame version)
06. Deutschland
07. Sterben ist menschlich
Seite B
01. Kernkraftritter
02. Widerstand
03. Hindustan
04. Sid
05. Wir sind die Unreparierten
06. A-Bombe
07. Ist es erlaubt Fragen zu stellen?

Hörprobe – OHL – Sterben ist menschlich:

 

Author: Frontmagazin
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