Selektion Vol. 1

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Selektion Vol. 1
Das Zeughaus | CD

Zum Jahresende gibt es vom Zeughaus musikalisches Material mit einem ordentlichen Schuss Retro-Charakter geboten, ich denke so kann man die Rezension zum vorliegenden “Selektion Vol. 1″ Tonträger gut beginnen

Bei Selektion handelt es sich um ein musikalisches Projekt, welches federführend vom Andi von Endlöser und dem Gitarristen von Stahlwerk ins Leben gerufen und umgesetzt wurde. In vermutlich stimmungsvoller Atmosphäre hatten sich die beiden Musiker einer Idee hingegeben, die zwar nicht neu ist, aber dafür, in dieser Form, ziemlich unterhaltsam klingt. Der musikalische Teil stammt aus der Schaffenskraft der Künstler und gemeinsam mit anderen Sängern und Sängerinnen der rechtspolitischen Musikszene Deutschlands u.a., wurde einige Nummern alter Tage neu interpretiert und aus der Versenkung gerissen. Was mir hier besonders zusagt, ist die Entscheidung sich für eher unbekanntere bzw. seltenere Lieder entschieden zu haben und nicht auf allseits bekannte und häufig verwendete Lieder zurückzugreifen, die man bei jedem zweiten Balladenabend oder Konzert hört. Gut, ganz ohne kam man auch hier nicht aus und so hat man das Lied “Der Morgen wird unser sein” von Division Germania gecovert und ich muss sagen, mir hängt die Nummer zum Halse raus, ich kann das Lied echt nicht mehr hören. Ansonsten hat man eigentlich durchweg angenehmes bis gelungenes Material gewählt.

Wie bereits erwähnt, stammt die musikalische Arbeit aus der Schaffenskraft der federführenden Musiker dieser Projektarbeit, dadurch bleibt eine konstante, einheitliche Klangkulisse beständig. Was bei einem Sampler i.d.R. eher nicht der Fall ist. Gespielt wird den Liedern entsprechend, mal schneller und mal etwas langsamer, aber meist recht melodischer Rock.

Wie bei jedem Sampler muss man leider auch hier schreiben, dass es kaum bzw. nicht machbar ist, dass das Werk komplett den Ansprüchen und Erwartungen oder Interessen der gesamten Hörerschaft entspricht. Gut, musikalisch kann man hier von einer durchweg gelungenen Sache sprechen, immerhin haben wir eine einheitliche Klangkulisse, es wird spielerisches Können geboten und technisch ausgereift am Ende durch die Boxen gejagt. Es geht vielmehr um die Stimmen der einzelnen Lieder bzw. die Art und Weise wie das Lied vorgetragen wird, da gibt es hier gute und bedauerlicherweise auch weniger gute Beiträge, letzteres hat mich tatsächlich überrascht, da ich normalerweise die musikalischen Arbeiten gut finde. Zumindest teilweise. Es gab aber auch die eine oder andere Überraschung, dies sollte fairerweise nicht verschwiegen werden.

Als erste Stimme erklingt die, des Amok Sängers, und zwar zu einem nachgespielten Lied der Barking Dogs. Das Lied selbst ist in Ordnung, da gibt es meiner Meinung nach aber bessere Lieder. Was den Schreihals von Amok anbelangt, so braucht es hier eigentlich nicht vieler Worte, fiese, giftige Stimme, die bereits mit den ersten Tönen bei so manchen Gesinnungswächter die Zornesröte aufsteigen lässt. Im Anschluss folgt das Lied “Keine Gnade” von Schutt & Asche, hier vorgetragen vom Sänger von Endlöser und zu meiner Verwunderung, zusammen mit der Stimme von Neubeginn. Endlöser sind und war immer gut, zumindest für meinen Geschmack. Neubeginn hatten mich Anfang der 2000er mit ihrem Album “Verräter” begeistert und es freut mich zu hören, dass es zumindest den Sänger noch gibt. Die Nummer macht Spaß, kommt richtig gut rüber. Das macht zumindest bei mir Hoffnung auf vielleicht irgendwann doch noch eine neue Scheibe von Neubeginn. Der nächste Künstler hat dieses Jahr auch wieder ordentlich Gastbeiträge abgeliefert, der gute Uwocaust. Der sympathische Schreihals liefert eine eingedeutschte Nordic Thunder Nummer ab, die durchweg funktioniert. Starker Beitrag, wenn nicht sogar eines der besten Lieder auf dieser Scheibe. Der nächste Beitrag brauchte bei mir seine Zeit, nicht weil es jetzt schlecht ist, sondern weil es sich um ein Lied handelt, welches ich auch nicht mehr wirklich hören kann. Es wurde zu oft gespielt, ob auf der Bühne oder anderswo. Mit der Zeit geht es aber. Dann gibt es einen Beitrag von Wölfe Solo, stimmlich immer wieder gut und jeder kennt die rauchige Röhre. Das Lied selbst finde ich jetzt nicht so prall, ist ganz in Ordnung, mehr aber auch nicht. Dafür gibt es im Anschluss ein echtes Brett zu hören. Marko, der Sänger von der kultigen Band Oidoxie liefert hier seine Interpretation von einer starken Nummer ab, und zwar handelt es sich dabei um das Lied “Belüge nie die Wahrheit” von den leider aufgelösten Boots Brothers. Ein echt starker Beitrag, neben Uwocaust vielleicht sogar mit die beste Nummer der Scheibe. So kann es weitergehen, was zu meiner Enttäuschung bedauerlicherweise nicht der Fall ist. Neubeginn klingen im nachfolgenden Lied gut, was allerdings mit Steffen von Noie Werte los ist, stimmt mich fraglich. Da fehlt Energie in der Stimme, der Gesang klingt gelangweilt und lieblos. Schade, sehr schade, normalerweise ist Steffen ein großartiger Sänger und gerade bei einer eigenen Nummer, es wird ein Noie Werte Lied hier interpretiert, hätte es reibungslos ablaufen müssen. Hier war ich ziemlich enttäuscht, hoffentlich klingt es bei einer eventuell kommenden neuen Scheibe besser. Die nächste Nummer von den Gassenhauern wird hier vom Alex von Spreegeschwader vorgetragen. Alex macht seine Sache gut, Gassenhauer hingegen fand ich nicht gut, im Gegenteil, die waren für mich persönlich immer eine ziemlich belanglose Kapelle. Dann gibt es endlich wieder einen ordentlichen Beitrag, kein Wunder, schließlich ist der gute Uwocaust wieder am Zug. Und erneut gibt es eine eingedeutschte Version zu hören, dieses Mal von den Arresting Officers und auch diese Runde funktioniert. Geiler Scheiß. Stahlwerk vergreifen sich an einem alten musikalischen Schinken von Kahlkopf und zwar an “Die Sau von nebenan”. Kann man gut hören. Die nachfolgende Nummer ist wieder nicht so mein Fall und auch hier wieder nicht der Künstler auf dieser Scheibe wegen, sondern dem Original geschuldet. Langweiliger Beitrag, tut mir leid, aber holt mich überhaupt nicht ab. Danach geht es aber wieder aufwärts, und zwar mit dem Beitrag von Wölfe Solo & Kati, gemeinsam interpretiert man auf gelungene Weise das Lied “Alte Zeiten” von Starkstrom – was doch für bescheuerte Bandnamen damals gewählt wurden, oder? Nun gut, weiter im Text. Ehrlich, das nächste Lied vom Amok Sänger überspringe ich und wie bekannt sein dürfte, nicht wegen des Sängers, sondern des Liedes wegen. Zum Schluss gibt es dann noch einmal eine richtige Überraschung. Karin von Wut aus Liebe covert hier das Rennicke Liedchen “Wenn der Wind sich dreht”. Als Ballade wirklich gut, damals, als Neuinterpretation von Faktor Deutschland – ein Projekt von Annett Müller und Noie Werte – noch besser und Karin macht es Annett gleich, sie verleiht dem Lied echt Kraft und Klasse. Wut aus Liebe ist jetzt nicht wirklich bei mir mit auf der Liste, wenn man mich nach guten weiblichen Gesang aus der rechten Musikszene fragen würde. Hier überzeugt die Sängerin allerdings auf ganzer Linie, sehr geiler Abschlussbeitrag.

Wie ihr seht oder besser gesagt, lesen könnt, hat dieses Werk seine Höhen und auch einige Tiefen. Aber wie bei jedem Sampler muss man fairerweise schreiben, dass es kaum eine repräsentative Meinung geben kann, dazu treffen zu viele Einflüsse und Sympathien aufeinander, die durch unterschiedliche Konsumenten und Charaktere aufgefasst werden und eben unterschiedlich bewertet werden. Dennoch, der “Selektion Vol. 1″ Tonträger ist überwiegend mit gelungenen Beiträgen bestückt. Musikalisch bietet das Werk eine starke und gekonnte Klangkulisse durch spielerisches Können. Mit der gekonnten Unterstützung von Das Zeughaus wurde der Tonträger angemessen und professionell produziert. Man hat es bei einer einfachen Edition im Jewelcase belassen, ohne Sonderauflage oder Holzboxen, was ich ganz gut finde. Statt Liedertexten gibt es im Beiheft ein paar Worte zur Entstehungsgeschichte und zu den jeweiligen Bands, die, die nachgespielten Lieder geschrieben und komponiert haben. Als kleines optisches Leckerchen wurde das Covermotiv mit einem partiellen 3D Lack veredeln, das schaut schon schick aus. Bleibt am Ende zu schreiben, dass wir es hier mit einer überwiegend gelungenen Produktion zu tun haben. Musikalisch ist das Teil wirklich gut, sauber gespielt und abgemischt. Die ausgewählten Lieder sind größtenteils ebenfalls stimmungsvoll und, wie gesagt, nicht typische Nummer, die man schon des Öfteren gecovert gehört hat. Feine Sache. Das Ensemble an Künstlern auf dieser Scheibe kann sich wirklich hören lassen, hier mal eine kleine Überraschung im positiven Sinne und leider auch mal eine bedauerliche negative Darbietung, die hoffentlich eine Ausnahme war. Im großen und ganzen ist “Selektion Vol. 1″ eine gelungene Scheibe, das Teil macht Spaß und gerne darf es eine Fortsetzung geben. Gute Arbeit!

Titelliste:
01. Amok – Wir bleiben hart (Barking Dogs)
02. Endlöser / Neubeginn – Keine Gnade (Schutt & Asche)
03. Uwocaust – Die Zeit ist da (Nordic Thunder)
04. Stahlwerk / Symphonie des Blutes / Endlöser – Eisern & Stolz (SKD)
05. Wölfe Solo – Steh zu mir (Life of Pain)
06. Oidoxie – Belüge nie die Wahrheit (Boots Brothers)
07. Neubeginn / Noie Werte – Wer Wahrheit spricht verliert (Noie Werte)
08. Symphonie des Blutes / Endlöser – Ungekrönte Könige (Störkraft)
09. Spreegeschwader – Presse der Lügen (Gassenhauer)
10. Uwocaust – Damals wars (Arresting Officers)
11. Stahlwerk – Die Sau von nebenan (Kahlkopf)
12. Neubeginn / Stahlwerk – One day in pride (Schutt & Asche)
13. Wölfe Solo & Kati – Alte Zeiten (Starkstrom)
14. Amok – Der Morgen wird unser sein (Division Germania)
15. Wut aus Liebe – Wenn der Wind sich dreht (Frank Rennicke)

Selektion Vol. 1 – Oidoxie – Belüge nie die Wahrheit (Boots Brothers):

 

Author: Frontmagazin
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1 thought on “Selektion Vol. 1

  1. Gute Veröffentlichung!
    Freue mich schon auf Vol.2!
    Gibt ja genügend Truppen aus den vergangenen Zeiten…Werwolf, Tonstörung, Radikahl, Kruppstahl…usw.

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