15 Years Keep Rocking The System

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15 Years Keep Rocking The System
Oldschool Records | CD

15 Jahre Oldschool Records, da wird doch direkt erst einmal ein Bierchen geöffnet und auf die Allgäuer Schmiede angestoßen; zum Wohl!

Wenn das nicht mal was ist, oder? Da haben sich doch glatt einige Haus und Hof Bands der Schmiede zusammengetan und ihrem Label ein gelungenes Geschenk gemacht. Zum fünfzehnjährigen Bestehen des Labels, gibt es einen vollgestopften Sampler mit einer ganzen Menge an Liedern – vierzehn an der Zahl und einem Intro, und diese sind fast ausschließlich exklusiv für diesen Tonträger eingespielt worden.

Den Anfang machen Kommando Skin und Antikonform, gemeinsam gibt man den ersten Ton an und dies in Form eines mehr als passenden Intros zu Ehren der OSR Schmiede. Dann geht es im Anschluss weiter mit dem ersten Lied dieses Samplers. Mit “No turning back” bekommen wir endlich wieder etwas von u.a. Kommando Skin zu hören, lange hat es auch gedauert. Die englischsprachige Nummer ist ein schöner, sozialkritischer Arschtritt, der einen starken Schuss Skrewdriver mit sich bringt. Absolut starker Einstand, so kann es weitergehen. Und dies geschieht dann auch so, als Nächstes melden sich Hirnsturz mit ihrem Beitrag zu Wort. In bewehrter Art und Weise liefern Hirnsturz hier eine Nummer ab, die wunderbar an das letzte gelungene Album anknüpft. Jedoch wird hier nicht an die alten Tage erinnert, sondern man hinterfragt die Bereitschaft zum Aktivismus in den eigenen Reihen. Eigene selbstkritische Nummer, die flott und schön melodisch erklingt, eben Hirnsturz in Reinkultur. So, nun kommen wir zu zwei Beiträgen, auf die ich mich bereits im Vorfeld ziemlich gefreut habe. Dabei handelt es sich um neues Material von Rattenlinie, ein Projekt von Smart Violence aus Deutschland und Orgullo Sur auch Chile. Geboten bekommen wir richtig schön fetzigen Oi! / RAC mit jeder Menge Melodie, starken Riffs und einer klaren, politischen Haltung. Bei dem Lied “Husares al la Muerte” teilt sich Broschi den Gesang mit Willy von Orgullo Sur, entsprechend mehrsprachig erklingt die thematisch der Historie verschriebenen Nummer. Mit “Glauben, Gehorchen, Kämpfen” gibt es thematisch ein richtig starkes AntiCom/AntiKap Lied geboten. Textlich ausgereift und verdammt stark in seiner Aussage. Rattenlinie überzeugen und begeistern mich, hoffentlich lässt das neue Album nicht mehr allzu lange auf sich warten. Nach ihrem Ausflug auf ruhigeren Pfaden lassen als nächstes Gegenpol wieder rockig etwas von sich hören. Gegenpol stehen für durchdachte und aussagekräftige Aktivismusmusik, an diesem Kurs hält die Kapelle fest und wer Thronvolk mag, der wird Gegenpol lieben. Nachfolgend gibt es die beiden Lieder “Rex Pelagius” und “Perros de la Guerr” von Thumbscrew geboten. Die beiden Lieder wurden im vergangenen Jahr bereits als EP von Oldschool Records ins Rennen geschickt. Hier gibt es jetzt noch einmal die Möglichkeit, sich das Material über CD anzuhören. Für die, die keinen Plattenspieler besitzen, ist es eine wunderbare Sache. Thumbscrew spielen schön melodischen Oi!, einige Rezensionen sind hier Online, schaut mal vorbei. Nun ist es wieder an der Zeit für eine deutliche Politnummer und diese servieren uns Xerum 525. Mit “Entsag dem Kapital” knüpft man an dem gelungenen Debütalbum an, jedoch etwas ruhiger, aber mit einem Schuss mehr an Melodie. Was die Aussagekraft angeht, so haben Xerum 525 nicht an Energie verloren, die musikalische Kampfansage gegen das Großkapital und die Schattenmächte ist ein echtes musikalisches Leckerchen. Geile Nummer, bitte mehr davon und das schnell, ein zweites Album ist ausdrücklich erwünscht. Beim nächsten Lied handelt es sich um ein Relikt aus vergangenen Tagen. Ok, nicht ganz so verstaubt wie man soeben annehmen mag, aber dennoch. Der Beitrag der National born haters wurde seinerzeit während der Aufnahme-Session zum ersten und bisher einzigen Studioalbum aufgenommen. Aus internen Gründen fand das Lied aber seinerzeit keinen Platz auf dem Album. Bevor die Aufnahme für ewig in Vergessenheit geraten würde, hat man den Beitrag indessen auf diesen Sampler gepackt, passt gut ins Rahmenprogramm, oder? Als Nächstes gibt es den “Gesten des Verrats” Beitrag von Antikonform und dieser ist zweifelsohne einer der Überraschungsbeiträge auf diesem Sampler. Das Debütalbum gefiel mir, hier gehen Antikonform für meinen Geschmack gleich noch einige Schritte weiter. Thematisch rechnet man mit diesem ganzen LGBTQ, Gender etc. Wahnsinn ab und dies in schön rockiger Form. Geiler Beitrag, ehrlich, ich hoffe, so geht es bei Antikonform weiter. Smart Violence liefern, mit Unterstützung vom Spengler Kollektiv – ich stelle hier die dringende Forderung nach einer heißersehnten Vollscheibe vom Kollektiv – in Form der bekannten Nummer “For the Glory Days of RAC”. Thronvolk lassen es dieses Mal etwas entspannter angehen, erinnert mich stilistisch ein wenig Absurd beeinflusst, kommt gut rüber. So, jetzt geht es weiter mit dem Beitrag von Heiliger Krieg. Hier muss mal allerdings sagen, dass es sich hierbei nicht um eine klassische Heiliger Krieg Nummer handelt, sondern um einen musikalischen Beitrag vom kommenden, zweiten P.O.R.N.O. Album und dann noch in einer alternativen Variante. Die hier vorgetragene Version ist ausschließlich vom Heiliger Krieg Sänger eingesungen, bei der Version auf dem P.O.R.N.O. Album teilt sich drei oder vier Sänger das Mikro bei dem Lied. Musikalisch hört man auch, dass es sich um eine Nummer handelt, die nicht aus den Federn von Heiliger Krieg stammt. Ein interessanter und wohlklingender Beitrag, sehr melodisch. Hatten FreilichFrei mit einem Album nicht erst kürzlich überzeugt, setzt man hier dann noch einmal einen drauf. Die rockige Nummer macht wirklich Spaß, vielleicht etwas melancholisch, aber dennoch, es darf auch gerne mal etwas emotionaler sein. Zum Ende hin überrascht das Lied mit einem wirklich stimmigen Soli, sehr geil. Und schon sind wir auch schon am Ende angekommen und damit auch beim besten Beitrag auf diesem Sampler. Zumindest meiner Meinung. Die abschließende Nummer ist ein gemeinsamer Beitrag vom Smart Violence Sänger Broschi und Jimmi, dem Sänger der amerikanischen Band Total Annihilation. Gemeinsam covert man das Lied “Kamikaze” der japanischen Band Sledgehammmer. Vorgetragen wird das Lied mehrsprachig, sowohl in deutscher als auch in japanischer Sprache. Absolut genial und wenn jetzt noch einer behauptet, der Broschi könnte nur Schreien und nicht Singen, dann weiß ich auch nicht mehr. Musikalisch, textlich und von der Interpretationen her ist dieser Beitrag ein pures Gewitter. Mehr davon, bitte.

Da wurde zum fünfzehnjährigen Bestehen wirklich etwas ganz Starkes umgesetzt. Ein Sampler, der endlich mal wieder der Aufgabe eines Samplers würdig ist und sich uneingeschränkt als gelungen bezeichnen darf. Wirklich, diese Produktion kann sich sehen und hören lassen, den auch optisch kann das Teil überzeugen. Wie für Oldschool Records Verhältnisse üblich, wurde viel Wert auf die Gestaltung gelegt. Mit schicken Zeichnungen, die schön, detailreich und professionell sind, ist dieser Sampler ein Blickfang. Im Beiheft sind die Texte abgedruckt. Was soll man jetzt noch großartig schreiben? Sichert euch das Teil, es lohnt sich. Der “15 Years Keep Rocking The System” Tonträger ist vollgepackt mit hochwertigen Beiträgen und bietet sicherlich für jeden etwas. Endlich mal wieder ein genialer Sampler!

Titelliste:
01. Kommando Skin / Antikonform – Intro
02. Kommando Skin / Antikonform – No turning back
03. Hirnsturz – Mal wieder Zeit
04. Rattenlinie – Husares al la Muerte
05. Rattenlinie – Glauben, Gehorchen, Kämpfen
06. Gegenpol – Das Ende
07. Thumbscrew – Rex Pelagius
08. Thumbscrew – Perros de la Guerr
09. Xerum 525 – Entsag dem Kapital
10. National born haters – Tag der Auferstehung
11. Antikonform – Gesten des Verrats
12. Smart Violence – For the Glory Days of RAC (feat. Spengler Kollektiv)
13. Thronvolk – Herrmanns Siegeslied
14. Heiliger Krieg – Porno – Verrat
15. FreilichFrei – Noch gar nicht so lange her
16. Smart Violence & Total Annihilation – Kamikaze *

* im Original von Sledgehammer

Hörprobenmix – 15 Years Keep Rocking The System:

Author: Frontmagazin
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