Hirnsturz – Alte Schule

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Hirnsturz – Alte Schule
Oldschool Records | CD

Es ist Freitag, die Arbeit ist getan und das Wochenende steht in den Startlöchern. Noch während sich der Schlüssel in der Haustür verkantet und das erste Bierchen, dass man sich bereits aufm Heimweg reindrückt, fast aus den Pfoten fliegt, stehen auch schon die Jungs hinter einem und freuen sich. Und wir alle wissen es ganz genau, dieses Wochenende wird unser Wochenende, Oi!

Mit dieser stimmungsvollen Einleitung geht es dann auch gleich los, es ist endlich so weit. Durch die Boxen dröhnt “Alte Schule”, das neue Studioalbum der Jungs von Hirnsturz und verdammt, ich bin für einige Minuten wieder in meine Jugendzeit versetzt. Warum? Nun, wenn diese Scheibe eines ist, dann eine musikalische Hommage an die wilden Jahre, an schwere Stiefel, kurze Haare und große Fressen. An den Kult, die Arbeiterklasse und an den sozialen Ungehorsam. Ein Mittelfingergruß an das Spießbürgertum. All der Hass, den Spaß und jede Menge unverfälschte Straßenrhythmen wurden von den Musikern hier in dreizehn eigenen Liedern verpackt und vertont. Dabei herausgekommen ist ein, wie es Oldschool Records und Rock Oma Records so vortrefflich bezeichnet haben, ein Manifest der Unterschicht. Karl Krawall, Egon Dosenbier und Lutz Sauerkraut haben ihren Selbstfindungstrip abgeschlossen und liefern mit “Alte Schule” das Ergebnis ihr Suche ab und dies kann man bereits jetzt als eine der Partyscheiben 2022 bezeichnen. Da freut sich auch der Erbert Hegoldt.

Musikalisch lassen die (Alt)Skins hier ein ordentliches Programm erklingen. Geboten bekommen wir eine ziemlich professionelle Mischung aus melodischen Rechtsrock, einen guten Schuss Punk und selbstverständlich Oi!, das alles geht in der Regel schön flott in Ohr. Man setzt auf starke Riffs mit Wiedererkennungswert, ohne sich dabei auf altbackene Rhythmen auszuruhen. Stattdessen beweisen Hirnsturz, wie man durchdachte und moderne Klänge mit dem Spirit der alten Tage verbindet. Und so gibt man auch die Texte dieser Scheibe wieder, zwischen Sehnsucht und Erinnerung an die alten Tage und wilden Zeit bis hin zu gegenwärtigen Themen, der Bogen wird gekonnt gespannt und vorgetragen. Bereits mit der zweiten Nummer, dem Titellied “Alte Schule”, liefert man den ersten Kracher dieser Scheibe ab. Eine musikalisches Memorandum an die wilden Jahre, die wohl die meisten von uns kennen und erlebt haben dürften. Man besingt den Kult, die Arbeiterklasse und das unbeschwerte Leben zu jener Zeit, einfach nur großartig. Ähnlich verhält es sich mit dem Lied “Weißt du noch damals?”, mit dieser Nummer wird man erneut auf eine kurze Reise in die Jugendzeit genommen. Wesentlich politischer, aber noch immer mit der nötigen Portion Sarkasmus geht es beispielsweise in dem Lied “Ra(c)kete” zur Sache. Eine musikalische Abrechnung mit gewissen NGO und dessen Treiben. Oder das Lied “Vom Greis bis zum Pimpf”, in diesem beschäftigt sich die Band mit der noch immer vorhandenen Corona-Impfmaschinerie und dem drumherum. Ach ja, und mit “Chiffre-Chef” rechnet man auf gekonnte humoristische Art und Weise mit den von Klischees belasteten, vorherrschenden Meinungen über alles und jeden ab, der auch nur ansatzweise und irgendwie rechts der Gesellschaft steht.

Das Studioalbum “Alte Schule” hat das gewisse Etwas, es ist zeitgemäß und hochwertig arrangiert und dennoch auf gekonnte originelle Weise in der Vergangenheit verankert. Zumindest mit einem gewissen Teil des Konzepts, ein anderer Teil klagt gekonnt gegenwärtige Probleme an und nennt die Missstände beim Namen.

Da darf sich Oldschool Records zu Recht wieder einmal entspannt zurücklehnen und den Erfolg dieser Produktion genießen. Nicht nur dass dieses Album technisch wunderbar arrangiert und ausgearbeitet wurde, es bietet einen sauberen und ziemlich starken Klang, es gibt auch wieder einmal etwas fürs Auge und das Sammlerherz. Neben der klassischen Edition im Jewel Case, hat man sich bei Oldschool Records mal wieder etwas einfallen lassen und das schreibt nun jemand der eigentlich kein großer Freund von Holzboxen ist. Die Dinger sind einfach zum Massenprodukt verkommen. Anders hier, die limitiert Holzbox ist handschriftlich auf 333 Exemplare begrenzt und bietet einiges. Nicht nur, dass das Teil mit einem stabilen Griff daher kommt, im Inneren befindet sich neben dem Album auch noch ein Aufkleber, ein Bierdeckel und zwei Flaschen Oi! Bräu... Bier, zwei Buddeln Bier. Damit hat man sich bei Oldschool Records erneut seine Position als Vorzeigelabel für Sondereditionen gesichert. Das Beiheft ist gewohnt gezeichnet und beinhaltet alle Texte.

Hirnsturz melden sich mehr als eindrucksvoll mit “Alte Schule” zurück, ein Album, das diesen Sommer sicherlich auf so mancher Fete laufen wird und bei einigen die eine oder andere Erinnerung wecken wird. Da möchte man doch glatt noch einmal 18 Jahre jung sein, oder? Geile Sache!

Titelliste:
01. Nicht wie die Andern
02. Alte Schule
03. Run Scum Run
04. Ra(c)kete
05. Lokalmatadore
06. Weißt du noch damals?
07. Vom Greis bis zum Pimpf
08. Verrückte Zeit
09. Krieg auf den Straßen
10. Zum Trotz
11. Geboren auf der Straße
12. Chiffre-Chef
13. Wo seid ihr?!

Hörprobe – Hirnsturz – Alte Schule:

 

Hirnsturz – Salut + Kurzinterview

Author: Frontmagazin

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